Santa Maria

Runter wischen

Am Nachmittag erkundeten wir den kleinen Hafen von Vila do Porto und den etwas erhöht darüber liegenden Ort. Dieser besteht aus einer  langen, mit Pflastersteinen versehenen Hauptstraße mit einigen Kneipen und sogar zwei größeren „Supermärkten“. Diese erschienen uns richtig gut sortiert, was sich durch die erst kürzlich eingetroffene Fähre erklären lässt, wie wir erfahren haben.  Alles kommt einem hier sehr entschleunigt vor. Keiner ist gestresst oder in Eile. Durch diese großen Pflastersteine fahren sogar die Autos nur schritt-tempo durch die „Inselhauptstadt“. Unser erster Gang war zum Hafenamt im Oberdorf, um die für Portugal übliche Leuchtturmsteuer zu bezahlen. Im Hafenbüro hat uns der Marine Polizist darauf aufmerksam gemacht, daß man diese Steuer einmalig bezahlen muss. Damit werden die Leuchtfeuer an der portugiesischen Küsten instand gehalten. Komisch, daß wir bis anhin noch nichts davon mitbekommen haben..?? Auf jeden Fall haben wir 70 € bezahlt und eine Urkunde mit Prägestempel erhalten, die wir nun in den nächsten Häfen nur noch vorlegen müssen. Da sind wir mal gespannt….

Im Hafen von Vila do Porto fühlt man sich sofort zu Hause und es kennt dort Jeder Jeden! Schon beim Anlegen wurden wir von Mikki und Joos herzlich begrüßt und mit wertvollen Tips bedient. Die beiden Holländer verweilen mit ihrer SY Jonathan schon seit längerer Zeit auf Santa Maria und warten auf ein Ersatzteil aus Australien. 

Da war außerdem die SY Amell aus Frankreich mit 48 Fuß, die auf einen neuen Motor wartet und zwei weitere Franzosen, die SY Vamos und die SY Tortuga, auf der Jean-Rene aus Uruquay hergesegelt ist (und ca 80 Jahre alt ist! Chapeau!). Robert aus Wien lebt mit Heidi aus Lübeck auf der SY Pura Vida, bis ihr neu erworbenes Domizil fertig ausgebaut und bewohnbar ist. Und dann gibt es noch Detlef aus Deutschland. Detlef lebt seit einigen Jahren auf Santa Maria und hat sein Domizil mit seiner Frau Lorena (aus El Hiero) bereits entsprechend um- und ausgebaut. Im Moment versieht er seine SY Bejia Flores an Land mit einem komplett neuen Innenausbau. Detlef kennt jeden auf der Insel, falls man einen Handwerker, Arzt oder sonst irgendetwas brauch…Uns konnte er mit einem Mietwagen helfen.

Für den Samstagmittag wurden wir direkt zu einem Mittagessen eingeladen, der ca. alle 2 Wochen in Anjos in einer netten Kneipe direkt am Meer an der Nordseite der Insel stattfindet. Da wir noch kein Auto hatten, hat uns Robert in seinem Pickup mitgenommen. Die Seglergemeinde trifft sich dort regelmäßig mit ein paar Lehrern der Insel zum Mittagessen. Es gab ein Fischbuffet und jeder isst so viel er kann. Ein sehr netter und kurzweiliger Nachmittag. Um 17 Uhr mussten wir zur Autoübergabe wieder  im Hafen sein. Mit Detlef sind wir dann zu seinem Haus im Grünen gefahren und konnten nur über den herrlichen Meerblick staunen. Die Famile hat viele Tiere, fast wie in einem  Streichelzoo mit Pferden, Hunden, Gänse… Wir haben das Auto übernommen und fuhren wieder zurück. Unterwegs wurden wir von den Fußgängern und den Fahrern der entgegenkommenden Autos gegrüßt. Wie wir später erfuhren, ist die Insel einfach so klein, man kennt und grüßt sich eben….

Bereits nach diesem ersten Tag auf der Insel war ich beeindruckt von den 625 unterschiedlichen Tönen der Farbe Grün! Nimmt man die Grün-Blautöne des Wassers des Atlantiks noch dazu sind es nochmal 135 mehr. Daß es so unterschiedliche Nuancen einer Farbe geben kann, ist erstaunlich. Santa Maria ist sooo grün und das im März!!



Hier etwas zum Thema Geografie und Klima der Azoren: (aus Wikipedia):

Die Azoren umfassen 9 Inseln, die 1369 km westlich vom europäischen Festland (Cabo da Roca) liegen. Verwaltungstechnisch bilden die Azoren zusammengefasst eine autonome Region Portugals, die Região Autónoma dos Açores, und gehören somit zur Europäischen Union. Die Azoren sind durch ein ozeanisch-subtropisches Klima geprägt. Die Lage inmitten des Atlantischen Ozeans sorgt dafür, dass Jahreszeiten und Temperaturextreme sehr ausgeglichen sind, d. h. für die Breitenlage sehr milde Winter und nicht so heiße Sommer. Zudem sind die Luftmassen aufgrund des langen Wegs über dem offenen Ozean relativ feucht. Zugleich befinden sich die Inseln die meiste Zeit des Jahres unter dem Einfluss der subtropischen Hochdruckzone. Das Azorenhoch, dem Volksmund oft bekannter als die Inseln selbst, ist dabei keinesfalls durch beständigen Sonnenschein geprägt. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit entstehen häufig, aber nicht immer, tiefe, mal geschlossene, mal aufgelockerte Wolkenschichten (Passatwolken).



Am Sonntag sind wir zuerst in den kleinen Ort Praia gefahren. Wir haben Santa Maria vor 14 Jahren mit unseren Kindern und einer Gruppe von Tauchern bereist, wo wir damals nicht die geringste Vorstellung davon hatten, hier wieder einmal mit dem eigenen Segelboot zurück zu kehren. Die Erinnerungen von damals wollten wir natürlich auffrischen und haben unsere damalige Unterkunft gesucht und gefunden…Obacht: Es sind ein paar Bilder von damals dazwischen😂



Anschließend ging es an die Ostküste der Insel zum Leuchtturm Ponta do Castelo (der bestimmt wegen unserer Steuer so gut im Schuss gehalten wird😉) 



Es gibt hier eine zerfallene Walfängerstation, die eindrücklich und mit viel Gänsehaut an die Vergangenheit der Azoren als Walfängerinseln erinnern lässt. Um 1896-1904 waren die ersten Walfänge auf Santa Maria, dann von 1937-1966 eine zweite, große Welle. Danach gab es zum Glück keinen Walfang mehr auf Santa Maria.



Weiter ging’s nach Maia, einem Küstenort an der Nordostküste. Hier gibt es eines der Beiden  Naturschwimmbäder der Insel, wobei im Gegensatz zu den Kanaren hier kein Mensch schwimmt! Es ist schließlich Winter und Touristen sind kaum zu sehen. Die Wassertemperatur ist kaum geringer als auf den Kanaren (ca 18°C), aber die Außentemperatur ist mit 18-20°C definitiv kühler.

Am Ende der Ortschaft von Maia  findet man ein Wasserfall mit einem Naturteich und schön angelegten Grillplätzen. Bemerkenswert hier auf der Insel ist übrigens der Vogelreichtum! Mann hört überall Vogelgezwitscher und sieht Vögel: Spatzen, Amseln, Tauben, Stare…Das war auf den Kanaren überhaupt nicht der Fall. Da gab es höchstens ein paar Kanarienvögel in einem kleinen Käfig.

Hier an der Ostküste gibt es viel Weinbau. Darüber müssen wir jetzt für unsere Leser ein bisschen ausholen: Das Bammerthiesle (= Haus des Rebbergaufpassers) gibts hier auch. Aber die Pflege und das Herbsten (= Weinlese) ist hier sehr viel mühsamer! Die Reben sind alle in Steillage angelegt, mit Mauern umfasst und auch die Weinstöcke selbst sind mit Steinen umgeben. Wir fragten uns manchmal auf der Insel: Wer hat alle diese Mauern gebaut?? Die Weinstöcke sehen sehr alt aus, liegen flach am Boden und sind weder gebunden noch geheftet, jedoch geschnitten. Auch treiben diese schon aus:



Wir werden nach dem Inselwein Ausschau halten! Nach unserem Rückweg über den Pico Alto (höchste Erhebung auf Santa Maria mit 587m) haben wir bereits über die Hälfte der Insel abgefahren. Wie gesagt: alles schön übersichtlich hier.

Am Montag sind wir an den nationalen Airport von Santa Maria (immerhin gibt es hier einen Flughafen, der fast täglich Flüge nach Punta Delgada, die Hauptstadt der größten Insel Sãn Miguel, anbietet). Dann ging es nochmal in den Norden der Insel. Natürlich war auch hier irgendwann mal Columbus auf der Insel und auch nach 14 Jahren sah dieser im Vergleich zu uns immer noch gleich aus!!



Weiter über Sao Pedro mit der Kapelle der heiligen „Senhora de Fatima“ auf dem obersten Punkt dieser Seite der Insel. Hier kam Nebel und etwas Nieselregen auf. Aber selbst das tut der Schönheit der Insel keinen Abbruch. Es gibt hier unzählige Kuh-und Rinderherden. Santa Maria lebt heute vor allem von der Viehzucht. Die Tiere machen einen sehr zufriedenen Eindruck, und haben sogar Meerblick! Uns wurde berichtet, daß der einzige Stau, den es auf der Insel geben kann, durch Rindviecher verursacht wird. Uns so war es dann auch:



Es kam tatsächlich noch ein weiteres Schiff in den Hafen von Vila do Porto: Die SY Josephine aus Kiel. Ein Charterschiff das einen 2 wöchigen Törn auf den Azoren macht, um dann wieder ins Mittelmeer zu segeln. Leider haben wir vergessen zu fragen, ob sie die Leuchtturmsteuer entrichtet haben. 

Am Mittwoch war unser Plan weiter nach Sãn Miguel zu segeln und so sind wir am Dienstag mit Mikki, Joos, Robert und Heidi ins Cena, das beste Restaurant der Insel. Es war ein sehr unterhaltsamer und schöner Abend mit hervorragendem Essen. Ein entsprechender Abschluß unserer ersten Azoreninsel.



 

3 Kommentar

  1. Euer Bericht macht Lust auf mehr… Silke hat grad gestern den Reiseführer zu St Maria vorgelesen…das einzige was ihr vergessen habt zu erwähnen, ist das lied von Roland Kaiser :🎼 Saaaanta Maaria…🎼. 😂 Das geht mir jetzt immer durch den Kopf wenn ich an unser nächstes Ziel denke…. Lieben Gruß aus Graciosa

  2. …. mir haben die Bildermixtur einst-heute gefallen🤣 der Beschrieb natürlich wie immer spannend und macht Freude auf weitere Berichte 👍👍

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