Sãn Miguel

Runter wischen

Am 20.03.19 haben wir mit etwas Trennungsschmerz Vila do Porto auf Santa Maria verlassen, um Ponta Delgada auf der Insel Sãn Miguel anzusteuern. Mit uns machte sich auch die Charteryacht Josephine auf den Weg nach Horta auf der Insel Faial. Mit zuerst stabilem Ostwind konnten wir die ersten 6 Stunden bei 12-16knoten segeln, mussten dann aber mit nur noch 5knoten die letzten 20sm motoren. Gegen 18 Uhr haben wir bei Nieselregen in Ponta Delgada festgemacht. Die Vorwarnung von unseren Seglerfreunden auf Santa Maria hat sich sogleich bewahrheitet: Der Hafen von Ponta Delgada ist ein sehr unruhiger Hafen. Der Schwell, der Nieselregen, die Temperatur auf Sãn Miguel und die Aussicht auf eine „Großstadt“  hat nicht gerade zu einer schönen Ankunftsstimmung beigetragenen. Wir wollten wieder zurück, zurück auf das Idyll Santa Maria.

Aber nach dem Ausschlafen am nächsten Morgen hat sich die Sonne gezeigt und wir haben uns die Stadt genauer angesehen. Eine lebhaftes, portugiesisches Städtchen mit einer netten Altstadt. Auch haben wir festgestellt, daß wir im Hafen fast mitten im Fahrerlager der 54. Azoren-Rallye liegen. Bei dieser jährlich stattfindende Rallye hier auf den Azoren fahren getunte Autos mit Straßenzulassung von unterschiedlichsten Autoherstellern mit internationalen Fahrern.



Wir haben uns nach langer Zeit mit spanischem und portugiesischem Essen hier in einem japanischen Restaurant Sushi und japanische Köstlichkeiten gegönnt. Für die nächsten 4 Tage haben wir übers Internet einen extrem günstiges Mietwagenschnäppchen  für 7 €/Tag gebucht. Somit wollten wir am 22.03.19 mit der Westküste der Insel anfangen, aber: Hätte der Copilot lieber zuerst mal den Streckenplan der Rallye-Etappen angesehen…..Wir sind von Ponta Delgada über den Küstenort Relva gefahren. Dort gab es an einem Aussichtspunkt auf das Meer Walbeobachter, die über Funk die Ausflugsboote an die entsprechenden Stellen der gesichteten Wale lotsten.



Wir sind ins Hochland auf 800m an einen kleinen Süßwassersee, den Lago do Canario, gefahren. Dieser sah aus, wie ein Gebirgssee im Schwarzwald in unserer alten Heimat. Das Wasser fühlte sich auch entsprechend kalt an. 



Auf dem Weg zum Lago Azul, einem großen Süßwassersee inmitten eines Vulkankraters, haben uns dann immer wieder Rallyeautos überholt, was meinen Fahrer veranlasste in den serpentinenreichen Straßen selbst in einen gewissen Rennmodus um zu schalten. Und bevor wir unser Ziel erreicht haben, kam die erste Straßensperre wegen abgesteckter Rallye-Strecke. Nach kurzer Diskussion konnte ich den Kapitän überzeugen, daß es keinen Sinn machen würde, hier mitzufahren und wir haben die hier noch vorhandene Umleitung gewählt. Wir fuhren von dem Aussichtspunkt, der den Lago Azul in seiner ganzen Größe zeigte, in den Krater hinein und über eine befahrbare Brücke zu dem Ort Sete Cidades und einem kleineren See, den Lago Verde.



Die noch kurze Strecke ans Meer, um dort ein Naturschwimmbad mit heißen Quellen aufzusuchen wurde uns durch eine Straßensperrung (wegen Ralley-Strecke!) verwehrt. Und diesmal gab es nicht mal eine Umleitung, es gab nur zurück! Somit sind wir die ganze Strecke zurück, um an der Küste entlang zu fahren, aber man glaubt es kaum: Kurz vor dem Ziel eine Straßensperrung!! Wir wollten zuerst nicht glauben, daß es keine Umleitung geben soll. Auf nicht mehr elektronisch erfassten und halsbrecherischen Feldwegen sind wir direkt unterhalb der Rennstrecke rausgekommen. Die Streckenposten haben uns entsprechend verwirrt angekukkt und uns wieder zurück geschickt!

Wir werden die nächsten Tage die Rallye-Strecke in unsere Planung der Inselerkundung mit einbeziehen.

Am folgenden Tag war nochmals die Westküste unser Revier! Wir konnten das Naturschwimmbad aufsuchen, die „Termas da Ferraria“, den Leuchtturm und die Küstenorte ohne eine einzige Straßensperrung vorzufinden. Was so ein guter Copilot ausmacht. Leider war das Wetter an diesem Tag so regnerisch und stürmisch, daß es mit Baden  nichts wurde.



Am Abend sind wir durch das Fahrerlager geschlendert und haben den Teams beim hektischen Arbeiten an den demolierten Autos zugesehen. Diese hatten nur 40 Minuten Zeit, um die zum Teil umfangreichen Reparaturen wieder einigermaßen zu sanieren. Im Punta Delgada selbst konnten man immer wieder herausgeputzte Autos sehen und heftig diskutierende Fahrer beobachten. Interessant dabei fanden wir die unterschiedlichen Alter der Fahrer. Zählt hier jetzt mehr die Erfahrung oder der jugendliche Leichtsinn??



Am 24.03.19 war die Mitte der Insel angesagt. Über dem Küstenort Lagoa ging es zum Mirador Lago do Fogo und dann zu den heißen Quellen von Caldeira Velha. Eine kleine Wellnessoase mitten im Landesinnern mit riesengroßen Farnen und dazwischen drei Naturbecken, in denen das Wasser zum Teil kochend aus der Erde sprudelte. Leider war das Baden an diesem Tag wegen dem Regen und Sturm vom Vortag nicht möglich. Schade. 



Wir sind in den Ort Caldeiras, wo es ebenfalls eine heiße Quelle gibt und dieser heiße Dampf aus der Erde zum Kochen und Garen von dem typischen Gericht Cozido benutzt wird. Nachdem wir uns diese „Erdkochtöpfe“ angesehen haben, wollten wir natürlich auch diese typisch portugiesische Speise aus dieser Region probieren. Und es hat sehr gut geschmeckt, alles mit geothermischer Wärme gegart!



Das Wetter am 25.03.19 sah perfekt für einen Badetag aus. Wir sind gen Osten über den Lago das Furnas in den Parque Terra Nostra. Ein wunderschön angelegter Park, in dem es unterschiedliche Themenbereiche gab: Kameliengarten, Bambusgarten, Farngarten….Uns hat er an den Film Jurassic Park erinnert. Lustigerweise gab es dann sogar auch ein Themenbereich mit Dinosauriern.



Aber das Highlight waren die heißen Schwefelquellen. Das Wasser sah etwas komisch aus, aber es war herrlich warm. Das große Becken bestimmt 35°C, die kleineren Becken noch wärmer, es war herrlich! Man konnte für 8€ den ganzen Tag in dem Park verweilen, schwimmen, spazieren …



Unser Rückweg führte uns über die Teeplantagen von Gorreana. Sãn Miguel hat tatsächlich eigenen Tee, der sehr gut sein soll. Wir haben uns natürlich eine Ration davon mitgenommen.



Übrigens haben wir auch den Inselwein probiert: Ein eher trockener, süffiger Rotwein aus Merlot, Syrah and Cabernet Sauvignon Trauben, gereift auf vulkanischem Untergrund.

Zum Abend hin frischt der Wind sehr auf, so daß es selbst im Hafen eine unruhige Nacht war. Ein lauter Knall am frühen Morgen konnten wir zuerst nicht zuordnen, nach dem Aufstehen sahen wir die Bescherung: Es hat uns tatsächlich vor lauter Schwell einen Gummidämpfer an unserer Vorleine zerrissen:



Unser Plan war am Donnerstag, 28.03.29 Richtung Horta (in das Segelmekka) auf der Insel Faial, weiter zu ziehen. Somit haben wir die beiden verbleibenden Tage auf San Miguel mit Mietwagen zurückbringen, Shoppen in der Altstadt, Lebensmittel einkaufen, Schiff wieder startklar zu machen und Wasser bunkern verbracht. Bei den Spaziergängen im Hafen findet man immer wieder Schiffe, um die sich schon lange niemand mehr gekümmert hat. Schade…



Mittwochabend haben wir einen Tisch in einem sehr netten Restaurant (a Tasca) in der Altstadt reserviert, das wir auf Santa Maria empfohlen bekommen haben. Wir haben herrlich gegessen, nur das Weibbier wollte der Kapitän nicht probieren??





 

5 Kommentar

  1. Dann hattet ihr aber extrem heftigen Schwell, wenn sogar ein Gummipuffer reist! Zum Glück „nur“ das. Auf euch Beide🥂 🍀 !!

  2. Hallo ihr Abenteurer,
    habt ihr eigentlich einen Profi-Fotografen dabei? Die Bilder sind echt ein Traum – riesiges Kompliment – es macht immer wieder aufs Neue sehr viel Freude sie zu betrachten und die Berichte zu lesen. Vielen Dank!
    Weiterhin eine schöne Reise und ganz liebe Grüße aus dem Markgräflerland
    Andrea

  3. Hallo Ihr Lieben
    Wie? Neigt sich Euer Jahr schon langsam dem Ende entgegen??? Kaum zu glauben!
    Es ist so schön Euch zu begleiten und in die tollen Bildern einzutauchen. Was mache
    zukünftig nur ohne???
    Euch noch ganz viel Spass und geniesst die verbleibende Zeit
    Herzliche Grüsse aus Züri, Christine

  4. Hallo Ihr beiden,
    da habt Ihr ja wieder viel Aufregendes und Schönes erlebt.
    Wir wünschen Euch ein schönes erlebnisreiches Osterfest.
    Liebe Grüße
    Hannelore und Dietmar

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