Biscaya

Runter wischen

Wir haben unsere Biscaya-Überquerung folgendermaßen kalkuliert:

Camaret-sur-mer 🇫🇷 bis La Coruña 🇪🇸 :  360 sm

Durchschnittsgeschwindigkeit ca. 5 Knoten

Benötigte Zeit: 72 Stunden, das sind 3 Tage und 3 Nächte

Wetterfenster mit mind. 4 Tagen Nord- oder NordOstwind

Abfahrt: 22.07.18 um 9:00 Uhr

Wenn wir mit 5 Knoten im Schnitt durchkommen, wären wir am 25.07.18 morgens in Spanien

Wir haben alle erdenklichen Leerräume im Schiff noch aufgefüllt, d.h. Wassertanks, Sprit, Kühlschrank und natürlich alle möglichen Akkus und Batterien.

Gleich vorweg: die Biscaya hat sich uns von ihrer besten Seite gezeigt, viel Sonne, fast etwas zu wenig Wind, und jeden Tag Delfine- und Wale! Ja ihr habt richtig gelesen, wir haben richtig viel Wale gesehen…

Aber von vorne:

Pünktlich am 22.07.18 um 9:00 Uhr haben wir Camaret-sur-mer mit Sonnenschein verlassen. Unsere Logge (für unsere Nicht-Segler: der Kilometerzähler auf dem Schiff) zeigte genau 1001 zurückgelegte Seemeilen seit unserer Abfahrt in Grömitz. Nachdem wir die Bucht von Brest hinter uns gelassen haben, kam plötzlich Nebel auf:



Unser erster Gedanke: das fängt ja gut an…Aber nach ca. 3 Stunden und 15 Seemeilen weiter war der Spuk vorbei. Je weiter wir von Land weg kamen, desto besser wurde sie Sicht. Wir haben eine Schar von Tölpeln beobachtet, die sich einer nach dem anderen halsbrecherischerweise ins Meer gestürzt haben. Chris vermutete ein Fischpulk, evtl von jagenden, größeren Fischen. Das wollten wir uns gebauer ansehen- und siehe da: Delfine jagten von unten, Tölpel fischten von oben!



Wir konnten mit Groß und Genua segeln, bis zum Abend hin der Wind komplett eingeschlafen war. Da ließ sich das Motoren nicht vermeiden. Die Genua blieb über Nacht gerefft als Stabilisator, da die Biscaya Wellen immer zu spüren waren: langgezogene, ca. 1,5 Meter hohe Wellen, ca. alle 10 Sekunden mit denen man aber gut zurecht kam. Wir haben uns in einem 4 Stunden Rhythmus die Nacht geteilt: Martina Nachtwache von 22:00-00:00 Uhr, Chris dann von 00:00 bis 04:00, usw. 😉

23.07.18

Sonnenaufgang war um 6:30 und um 7:00 Uhr gab es schon Delfine zum Frühstück (zum Ansehen natürlich), es gab Delfine zum Mittagessen und Delfine zum Abend, unglaublich! Un dann kam da plötzlich noch was größeres aus dem Wasser, zu groß für eine Delfinflosse, oder war es nur eine komische Welle? Nein, da isses wieder: Ein Wal, nein, zwei Wale, oder sogar drei?



Die Freude war richtig groß. Wir haben fast nur noch nach Walen Ausschau gehalten, aber sonst gab es auch nix, so mitten auf der Biscaya. Ein Segler war eine Zeit mit AIS (Automatic Identification System) auf unserem Plotter zu sehen, der uns auch tatsächlich angefunkt hat, und wissen wollte, ob wir ihn sehen können (auf dem Plotter, nicht von Auge).

Wir konnten fast den ganzen Tag mit Groß und Gennacker segeln, haben aber vor Einbruch der Dunkelheit den Gennacker wieder reingeholt, da es uns (oder besser gesagt Martina) zu unsicher war, ob der Wind in der Nacht auffrischt. Und Gennacker bergen bei auffrischendem Wind, nachts mit Biscaya Wellen- nee, nee, nee. Die Nacht blieb natürlich ruhig, stockdunkel, da der Mond bereits gegen 2:00 Uhr schon unterging, aber Sterne ohne Ende!

24.07.18:

Kaum hell konnten wir schon wieder Wale sichten. Da überlegt man sich, ob die sich über Nacht in Luft auflösen, die ganze Nacht ganz tief abtauchen, oder womöglich ganz nah am Boot vorbei schwimmen und wir sie nur nicht sehen…. Wir haben wieder mit Gennackerbesegelung unseren Weg weiter durch die scheinbar nie endende Wellen gepflügt.



Sowenig Schiffe auf unserem Plotter die letzten beiden Tage und Nächte zu sehen waren, umso absurder ist heute folgendes Phänomen aufgetreten:



Wo kommen die alle her? Und wo wollen die hin? In so einem Pulk? Die Entfernung ist größer als man denkt: ca.5-10 sm. Von Auge konnte man 3-4 am Horizont erkennen. In unseren Navtex Navigationsmeldungen erschien dann tatsächlich die Lösung: Ein Regatta, von der Westküste Frankreichs gestartet, bis zu den Azoren gehend und im August wieder zurück, und alles Einhand.

Eine Schar von Delfinen kamen dieses Mal an uns vorbei und um Geschwindigkeit zu bekommen hat Chris den Motor gestartet und siehe da: sie verweilten sich sogar in unsere Bugwelle! Wenn es funktioniert, werden wir das Video in den Block stellen.



Gegen 18 Uhr konnte man das spanische Festland entdecken, aber wir hatten trotzdem noch eine Nacht mit wenig Wind, aber ohne Motor vor uns.

25.07.18

Wir sind gegen 7Uhr in die Bucht von La Coruña hineingesegelt und haben genau um 9:05 im Stadthafen mit 349 zurückgelegten Seemeilen festgemacht. Stolz und etwas müde haben wir uns erst mal schlafen gelegt, um dann am Abend auf unseren Überquerungserfolg anzustoßen.



 

5 Kommentar

  1. Hallo Ihr Lieben
    Herzlichen Glückwunsch zu Eurer Überquerung und viel Spass in Spanien.
    Ich lese Euren Blog immer mit viel Begeisterung und durchlebe es immer ein bisschen mit.
    Wie ihr wisst, bin ich absolut kein Segler und vor den Weiten des Meeres habe ich einen
    abartig Respekt, dadurch bewundere ich Euch noch mehr.
    Passt auf Euch auf und ganz lieben Gruss aus Zürich bei heissen und windstillen 36 Grad
    Lieben Gruss Christine

  2. Ihr seid so großartig.
    Schön dass ihr sauber rüber gekommen seid.
    Und immer dran denken…
    „Navigation ist, wenn man trotzdem ankommt.“
    🙂
    Viel Spaß und genießt Spanien.
    LG
    Die Austens

  3. Tolle Bilder, interessanter Blog, macht Spaß eure Reise zu verfolgen. Liebe Grüsse aus dem Engadin ,wo wir gerade die Bergwelt genießen . Jutta und Volker

  4. Hallo Ihr zwei schön zu sehen das es euch gut geht. Roger und ich starten am Freitag nach Elba schade das es nicht geklappt hat das wir uns dort treffen. wir wünschen euch eine gute und erfolgreiche Reise.
    Gruß Jutta + Karl-Heinz

  5. Freuen uns, daß Euch die Biskaya so gut gesonnen war. Neidisch sind wir auf Eure Begegnungen mit Delphinen und Walen. Wären gerne dabei gewesen. Wir grüßen Euch ganz herzlich. Immer weiter so. Edwin und Jutta

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