La Palma: Tazacorte und Santa Cruz 2. Teil

Runter wischen

Am 22.2.19 sind wir sind um 7 Uhr von Santa Cruz aufgebrochen, um die Südspitze der Insel zu umrunden, mit dem Ziel Puerto Tazacorte an der Westseite von La Palma. Zu Beginn noch mit Genua schlief der Wind leider ein, so daß wir motoren mussten. Wie der Wetterbericht dies auch vorhergesagt hatte. Jedoch meldete dieser für den kommenden Tag Wellen bis zu 5 m an der Westküste und La Palma Radio eine Wellenwarnung Stufe gelb für diesen Küstenbereich. Daher unsere Entscheidung schon am Freitag aufzubrechen. Die Überfahrt war wie gesagt ohne Wind, mit kleiner Welle und mit einer unglaublichen Anzahl von Delfinen!!



Nach 30 sm haben wir um 13 Uhr an der Tankstelle von Puerto Tazacorte festgemacht und unsere Tanks wieder auffüllen lassen. Nachdem uns unser Liegeplatz zugewiesen wurde, haben wir uns natürlich auch bei Doris und Kalle von der Blue Sun angemeldet. Wir haben uns zu einem Küstenspaziergang zum Leuchtturm am nächsten Tag verabredet, um uns die vorhergesagten Wellen anzusehen. 

Und es war tatsächlich gewaltig, mit welcher Wucht und Höhe die Wellen vom atlantischen Ozean auf die Westseite der Insel trafen:



Die Restaurants an der Hafenpromenade waren natürlich überflutet. Den Strand durfte man sowieso nicht mehr betreten, und der schwarze Sand wurde mit jeder Welle mehr und mehr vom Strand auf die Promenade gespült, so daß an den darauffolgenden Tagen Aufräumarbeiten mit großen Maschinen angesagt waren:



Bei herrlichem Sonnenschein genossen wir gemütliche Tage: Wir sind nach Los Llanos de Aridane, und wollten  unsere leere Gasflasche tauschen. Eine 11kg Gasflasche, die bis jetzt seit Grömitz immer für Feuer an Bord sorgte. Da es in Europa noch keine einheitliche Norm für Gasanschlüsse gibt, gestaltete sich das Vorhaben schwierig. Jedoch Martin von unserem Nachbarschiff (aus Flensburg) bot uns seine Dienste an, indem er mit einer Überströmvorrichtung unsere deutsche Flasche von einer spanischen Flasche befüllen konnte. Kostenfaktor: 15 Euro für Gas und eine Flasche Wein für Martin. 

Wir haben uns mit Eva und Fred (die wir von La Gomera kennen) zum Essen in einer Fischerkneipe hier im Hafen verabredet und am Mittwoch waren wir in Tazacorte bummeln.

Am 28.2.19 haben wir uns auf den Weg zurück nach Santa Cruz gemacht, um dort die Fastnacht (Fasching, Karneval..) zu verbringen. Den Rückweg nach Santa Cruz konnten wir bis zur Südspitze der Insel mit achterlichem Wind segeln. Dort sahen wir weiße Schaumkronen, was uns veranlasste die Segel vorsichtshalber zu reffen. Keine 10 Minuten später stellten wir fest, daß das eine sehr gute Idee war: Der Wind kam aus NO mit Böen bis zu 30 kn was auch mit gerefften Segeln gute Schräglage bedeutete. Da wir um die Spitze rum den Wind von vorne hatten, und genügend Zeit, beschlossen wir zu kreuzen. In Santa Cruz ging das Anmelden im Hafen ganz flott, da unsere Unterlagen vom letzten Besuch vorhanden waren. 



Nun zum Thema Fastnacht: Hier wird Fastnacht etwas anders gefeiert, als man es z.B. in Süddeutschland kennt. Es ist nicht ein wildes Verkleiden und feiern, wie man will, sondern nach Themenevents eingeteilt: In Los Llanos de Aridane war alles Mexikanisch, in Santa Cruz war am Freitag Perückenfest: Alle hatten Perücken auf, waren aber sonst ohne Verkleidung oder Schminke. Die Perücken waren meist selbstgebastelt, mit den unterschiedlichsten Materialien, wie z.B. Schallplatten, Zewa-Innenrollen, Coktailschirmchen, PU-Schaum… Es gab die unterschiedlichste Formen und Farben, sogar zum Teil mit LED Beleuchtung. Durch Live Musik, viele Bars, Essen-und Getränkestände und bei angenehmen 20°C ein sehr netter Abend.



Am Samstag war Trommlerumzug. Wir hatten unsere am Freitag erstandenen Perücken wieder aufgesetzt, waren aber fast die einzigen mit Kopfschmuck! Das lautstarke Spektakel dauerte nicht allzu lange und die 6-7 Trommelvereine zogen im Abstand von ca. 5 Minuten durch die Altstadt. Die weibliche Tanzbegleitung der Trommler gefielen besonderes dem Kapitän. Am Abend gab es wieder Live Musik, aber diesmal eher für die jüngere Generation….



Am Rosenmontag dann das absolute Highlight dieser Inselfastnacht: „Los Indianos de La Palma“

Alle sind weiß und edel angezogen: Frauen mit Hüten, langen Kleidern, Roben und Schmuck, Männer mit Hüten in Leinenanzügen, mit Sakkos und Zigarren! Und dann wirft jeder mit soviel Babypuder, wie es nur geht! Es gibt seit Tagen fast ausschließlich weiße Kleidung in der Altstadt zu kaufen und überall gibts Babypuder. Es werden sogar Babypuderdosen in der Altstadt verteilt. Ein unglaubliches Spektakel mit anscheinend 70000 Besuchern, wobei es auf der kompletten Insel 80000 Einwohner gibt. Der eigentliche Umzug besteht aus den Besuchern des Festes selbst, die singend, tanzend und puderwerfend durch die ganze Innenstadt ziehen. Überall spielen Livebands  kubanische Musik. Und auch viele Besucher, die einfach Lust zum Musik machen haben, spielen in kleinen Gruppen Gitarre und singen. Es gab überall Mojito und Cuba Libre und alle hatten gute Laune. Es wurde gefeiert bis zum frühen Morgen!

Hier unterschiedliche Erklärungen zum Ursprung dieser Tradition:

Als Indianos bezeichnet man auf La Palma Auswanderer nach Amerika (historisch: Las Indias, insbesondere Venezuela und Kuba), die nach erlangtem Reichtum und Wohlstand in ihre Heimat zurückkehrten. Mehrere Auswanderungswellen fanden zwischen dem 16. und dem frühen 20. Jahrhundert statt. Bei ihrer Rückkehr wurden sie mit Feierlichkeiten von den daheimgebliebenen Familienmitgliedern empfangen. Historischen Dokumenten zufolge existiert die Tradition des Werfens von Puder am Karnevalsmontag bereits seit dem 17. Jahrhundert. Es wird angenommen, dass dies auf das Einpudern zurückgeht, um der Haut ein bleiches Aussehen zu verschaffen. Dies war besonders bei den Mitgliedern einer kubanischen Loge beliebt. Anderen Quellen zufolge wurden die Waren der Schiffe, die im Hafen anlandeten, mit Puder bestreut, um der Ausbreitung eingeschleppter Krankheiten vorzubeugen. Wieder anderen Behauptungen sagen, daß in den 1920er Jahren eine kleine Gruppe beschloß, einen  Umzug durch die Innenstadt zu veranstalten. Sie kleideten sich in Weiß, um die nach La Palma zurückkehrenden Emigranten mehlwerfend zu verspotten. Die Idee fand regen Anklang und der Umzug wurde in den 1960er Jahren von der Stadtverwaltung von Santa Cruz de La Palma in das offizielle Karnevalsprogramm aufgenommen. In den 1980er Jahren verbanden sich die Traditionen der Verspottung und das Feiern der Rückkehrer mit  Werfen von Puder.

Bei den Mengen von Babypuder, der einfach überall war, war uns dann auch klar, warum viele Türen und Fenster am Sonntag plötzlich verbarrikadiert, verklebt und abgedichtet wurden! Sogar die Schlüssellöcher haben sie zugeklebt.



Kanaren ihr ward wunderschön, Azoren wir kommen!



 

1 Kommentar

  1. Wow !!! Eure leuchtenden Augen ! 🤩🤩 Die Hammer Fotos von den Delphinen ! 🐬Schön zu sehen, wie ihr die Reise genießt ! 🌞⛵️⚓️
    Bin gespannt wie es weiter geht —
    Lieben Gruß von Martina L.

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